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Juni 01 2018

Wie sich Komplexität bei der individuellen Massenproduktion vermeiden lässt

Massenproduktion ist effizient, kundenindividuelle Massenproduktion aber wirkungsvoller

In meinem vorherigen Post "Warum kundenindividuellen Massenproduktion effizient sein muss" habe ich erklärt, dass das Anpassen eines Produkts an individuelle Kundenanforderungen an sich nicht kompliziert sein muss. In diesem Post beschreibe ich, warum sich die Versprechen der kundenindividuellen Massenproduktion und des Configure-to-Order noch nicht erfüllt haben.

Das Paradigma der Massenproduktion ist in produzierenden Unternehmen weit verbreitet. Es basiert auf der Entwicklung von Produkten und Produktionssystemen, die ein sehr hohes Maß an Vorhersehbarkeit mit sich bringen. Die wechselseitigen Einflüsse der internen Prozesse sind zwar kompliziert, können aber effizient gesteuert werden.

Die Massenproduktion ist zweifelsohne kompliziert. Die meisten Vorgänge in der realen Welt aber sind wirklich komplex: Das Wetter zum Beispiel ist ein komplexes System. Meteorologen verstehen die wechselseitigen Einflüsse, die Wettersysteme prägen, sehr gut. Aber nach wie vor können sie das Wetter nicht zu 100 % korrekt vorhersagen.

Die Unsicherheit bezüglich der Wechselwirkungen ist es, was ein System komplex macht. Wir wissen vielleicht genügend über sie, um im Nachhinein erklären zu können, weshalb etwas geschehen ist. Aber wir können Dinge nicht zu 100 % korrekt voraussagen. Geringe Abweichungen haben große Auswirkungen und unvorhersehbare Konsequenzen. Das einzig valide Modell eines komplexen Modells ist das System selbst.

Kundenindividuelle Massenproduktion macht die Fertigung komplex

Massenproduktion ist effizient, aber die kundenindividuelle Massenproduktion ist in der Regel wirkungsvoller. Denn sie liefert uns, was wir wirklich brauchen. Unglücklicherweise macht kundenindividuelle Massenproduktion die Fertigung komplex. Obwohl Produkte und Prozesse prinzipiell identisch sind, verursacht kundenindividuelle Massenproduktion Unsicherheit:

  • Welche individuellen Anpassungen sind möglich?
  • Wie können sie produziert werden?
  • Und zu welchen Kosten?

Komplexe Prozesse lassen sich nicht steuern. Wer versucht, das Ergebnis eines komplexen Prozesses zu kontrollieren, muss mit unvorhersehbaren Konsequenzen rechnen, welche die Situation oft verschlechtern. Viele Menschen, die in einer komplexen Organisation arbeiten, haben diese Erfahrung bereits gemacht.

Glücklicherweise haben Produktionsexperten Wege gefunden, mit den vorhersehbar unvorhersehbaren Abweichungen innerhalb des Prozesses umzugehen. Es funktioniert, aber auf eine fehleranfällige und unwirtschaftliche Art und Weise. Und niemand hat den Überblick, um entsprechende und fundierte Entscheidungen bezüglich des Produktportfolios treffen zu können.

Configure-to-Order ist auf den ersten Blick effizient

Seit Jahrzehnten bemühen sich die produzierenden Unternehmen, den kundenindividuelle Anpassungen zu systematisieren. Sie entwickeln Produkte mit vordefinierten Parametern, die angepasst werden können. Kunden können für jeden Parameter einen Standardwert auswählen und Millionen verschiedener Kombinationen sind möglich. Genug, um beinahe jede Kundenanforderung erfüllen zu können. Das so konfigurierte und ausgewählte Produkt wird dann bestellt. Diese bewährte Methode nennt sich Configure-to-Order.

Grundsätzlich ist dieses Verfahren auch effizient. Die anpassbaren Parameter beeinflussen sich wechselseitig. Verändert sich der Wert eines Parameters, müssen andere ebenfalls geändert werden. Jede einzelne Abhängigkeit lässt sich noch relativ gut nachvollziehen. Aber es existieren viele Tausend und sie hängen miteinander zusammen und beeinflussen sich. Es wird schnell unübersichtlich und schwierig festzustellen, welche Parameterwerte kompatibel sind und welche Auswirkungen sie auf die Produktleistung haben.

Unvorhersehbare Wechselwirkungen machen Configure-to-Order komplex

Es bleibt festzuhalten: Obwohl individuelle Kundenanpassungen beim Configure-to-Order-Verfahren grundsätzlich systematisch ablaufen, bleiben sie wegen unvorhersehbarer Wechselwirkungen komplex.

Dieses Problem wird als Effizienzproblem wahrgenommen. Der Markt für CPQ-Lösungen wächst seit den mittleren 90er-Jahren, weil Unternehmen mit ihrer Hilfe die Effizienz bei der Angebotserstellung und der Preisgestaltung kundenindividueller Produkte steigern wollen. Allerdings löst die Einführung einer CPQ-Lösung alleine nicht das zugrundeliegende Problem der Komplexität.

Das CPQ-System wird schnell zur Black Box voller falscher Regeln und Ausnahmen, die sich nur mittels manueller Workarounds in andere Geschäftsabläufe integrieren lassen.

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